Gesundheit und Ernährung

AYURVEDA Gesundheitslehre

Die Gesundheitslehre ist der Kern ayurvedischer Präventivmedizin. 
Ayurveda dient SVASTHA, der ganzheitlichen Gesundheit. Svastha ist mehr als die Freiheit von Krankheit (Arogya).
Svastha bedeutet wörtlich übersetzt  „Stabil verweilen im Selbst". Svastha (ganzheitliche Gesundheit) wird wie folgt definiert:


„Ein Mensch wird gesund genannt, dessen Physiologie im Gleichgewicht ist, dessen Verdauung und Stoffwechsel gut arbeitet, dessen Gewebe und Ausscheidungsfunktionen normal funktionieren und dessen Seele, Geist und Sinne sich im Zustand dauerhaften, inneren Glücks befinden.“ (SS.15.41)


Der Ayurveda ist salutogenetisch orientiert und beantwortet somit die Frage, was wir selbst täglich für mehr Gesundheit tun können.

Gesundheitsfördernde Maßnahmen werden im Ayurveda „Svasthavrtta" genannt und in sechs Gruppen unterteilt:

  • Die tägliche Gesundheitsroutine (Dinacarya)
  • Das den Jahreszeiten angepasste Verhalten (Rtucarya)
  • Die Direktion körperlicher und geistiger Dränge (Vegasamdharana)
  • Angemessene körperliche Bewegung (Vyayama)
  • Der intelligente Einsatz von Sinnen und Geist
  • Ethische Grundhaltung (Sadvrtta)

Folgende Kriterien beeinflussen ayurvedisch betrachtet die Zuträglichkeit unserer Lebensweise für mehr Gesundheit :

  • Konstitutionsgerecht  -  Kennen wir unserer Anfälligkeiten, können wir präventiv gegensteuern, ohne dass es jemals zum krankhaften Ausbruch kommen muss.
  • Chronobiologische Rhythmen  - Die Anpassung an chronobiologische Rhythmen (u.a. Tag-Nacht, Menstruation, Jahreszeiten, Lebensphasen) ist weniger kraftaufwändig als deren Gegensteuerung. Verstehen und synchronisieren wir unsere Veranlagung mit den Naturrhythmen, ist Gesundheit die natürliche Folge.
  • Ausgeglichener Energiehaushalt  -  Unser Energiehaushalt ist vergleichbar mit einer Stromversorgung durch zwei Batterien.
    Unsere „Lebensbatterie“, konstitutionell von Geburt an bereitgestellt und der „Alltags-Akku“ – dieser wird täglich durch Nahrung, Atmung, Regeneration und Schlaf aufgeladen und steht uns zum Erbringen von Leistung zur Verfügung. 
  • Ausgewogene Lebensziele  -  Gesundheit ist nicht zum Selbstzweck gedacht – sie ist die Basis zur Verwirklichung von Lebenszielen. Welche Ziele vorrangig verfolgt werden, hängt nebst Glaubenssätzen von unseren persönlichen Werten und Bedürfnissen ab, die schon in der Kindheit erstmals geprägt werden und durch das Leben hindurch stetigen Veränderungen unterliegen. 
  • Umfeld, Familie und Ich; zeitlich und kräfteorientiert angemessen  -  Die individuelle Analyse unserer Lebensziele anhand der fünf Lebensaspekte und deren Gegenüberstellung zu unseren Gedanken, Worten und Handlungen stellt die Grundlage ayurvedischer Psychologie dar.

AYURVEDA Ernährungslehre

Mit der Ayurveda Ernährungslehre beschreiten wir neue "alte" Wege in der Ernährung. Altes Wissen aus Indien wird an unsere aktuellen Lebensumstände hier in Europa adaptiert und entsprechend angepasst und umgesetzt.
Erleben Sie neue Möglichkeiten und lernen Sie Ihre Ernährung mit Allen Sinnen kennen. Sie werden begeistert sein. 

Allgemeine Empfehlungen

Allgemeine Empfehlungen, die für alle Menschen gelten, sind:

  • nur bei Hungeressen
  • erst wieder essen, nachdem die letzte Mahlzeit verdaut wurde
  • die Hauptmahlzeit mittags einnehmen, wenn die Verdauung am stärksten funktioniert
  • nie in unruhiger Gemütsverfassung essen, nicht im Stehen, in Eile
  • sich nicht völlig sattessen: „nur zwei Hände voll“
  • frische, der eigenen Konstitution, der Jahreszeit und den Örtlichkeiten angepasste Lebensmittel essen
  • Wasser(abgekocht, nie kalt) und Kräutertee trinken, aber nur, wenn man durstig ist
  • alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen (Rasa) in jeder Mahlzeit zu sich nehmen: diese sind süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb (bzw. zusammenziehend)
  • keine natürlichen Bedürfnisse (also Stuhlgang, Miktion, Winde, Aufstoßen, Gähnen, Weinen etc.) unterdrücken.
Stoffwechsel und Gewebeaufbau (Dhatu)

Die Zusammensetzung der Nahrung in Bezug auf die Elemente hat direkten Einfluss auf den Organismus: aus ihr werden alle Gewebe des Körpers gebildet und aufrechterhalten. Man unterscheidet sieben Gewebegruppen Saptadhatu („sieben Gewebe“), die nach der Dauer ihres Erneuerungszyklus und weiteren Kriterien aufsteigend gestaffelt sind: Rasa (interstitielle Flüssigkeit, Lymphe), Rakta (der zelluläre Anteil des Blutes, Sehnen und Venen), Mamsa (Muskelgewebe, Haut), Meda (Fettgewebe im Allgemeinen), Asthi (Knochengewebe, davon der stabilisierende Anteil), Majja (Knochenmark und Nervengewebe), Shukra (Fortpflanzungsgewebe im engeren Sinn, aber auch die Fähigkeit der Zellerneuerung im ganzen Organismus).

Als „achtes Dhatu“ entsteht im Idealfall aus den Dhatus Ojas, eine immaterielle feinstoffliche Substanz, die auch bei positiven Erlebnissen entsteht, so die Lehre. Ojas stärkt demnach die Abwehrkräfte des Körpers und verbindet Körper und Geist. Voraussetzung für die Bildung von Ojas ist jedoch ein gutes „Verdauungsfeuer“, Agni genannt. Dieses wird unter anderem beeinflusst durch die Qualität der Nahrungsmittel.

Agni-Störungen äußern sich als Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Heißhunger. Während der Verdauung werden Nährstoffe in brauchbare Substanzen und Abfallstoffe, Mala, getrennt. Eine schlechte Verdauung erzeugt nicht nur qualitativ unzureichende Gewebe, sondern außerdem Ama („unvollständig Verdautes“), der sich Ayurveda zufolge im Körper ansammelt, was alle Stoffwechsel­vorgänge beeinträchtigen kann, aber auch auf der seelischen Ebene kann durch „unverdaute“ Ereignisse und Probleme Ama entstehen.

Drei Klassen (Gunas) von Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel werden grundsätzlich in drei Klassen (Gunas) unterteilt:

  • Sattva-Guna: Milchprodukte, Getreide, Früchte und Gemüse. Sie sind süß, saftig oder ölig und können laut Ayurveda die Lebensdauer verlängern und das Lebensgefühl optimieren.
  • Rajo-Guna: Bittere, sauere, salzige, scharfe, heiße oder trockene Speisen, zu denen Chili, Zwiebel und Knoblauch gezählt werden. Diese erhitzen der Lehre zufolge Körper und Geist und können Aggressionen verursachen.
  • Tamo-Guna: Fleisch, Fisch und Geflügel. Sie entzögen dem Körper viel Energie und können die Ursache von Schmerzen und Krankheiten sein.
Fleisch und Alkohol

Eine ausgewogene Ernährung im Sinne von Ayurveda wird als sattvisch bezeichnet. Der Konsum von Fleisch sollte achtsam geschehen. Indiziert ist der Verzehr von Fleisch bei ausgezehrten Menschen und Menschen mit Vata-Konstitution. Die Behauptung, ayurvedische Ernährung sei vegetarisch ausgerichtet, wird in den drei großen Klassikern (Caraka, Vagbhata, Susruta) klar widerlegt. Es gibt auch keine generelle Ablehnung von Alkohol: So gilt Wein in geringen Mengen als bestes Medikament, um Müdigkeit zu vertreiben (Caraka-Samhita).

Spezielle Typen

Darüber hinaus gibt es spezielle Empfehlungen für die einzelnen Dosha-Typen:

  • Vata-Typen neigen Ayurveda zufolge zu Verdauungsstörungen, Obstipation und Untergewicht und sollen daher – unbedingt regelmäßig – gekochte und nährende Kost bevorzugen und warme Getränke zu sich nehmen. Auch die Mahlzeiten sollten warm sein und etwas Fett enthalten. Die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind salzig, sauer und süß, da sie Vata entgegenwirken.
  • Pitta-Typen haben laut Ayurveda ein starkes „Verdauungsfeuer“ und neigen deshalb zu Heisshunger; sie können kalte und warme Speisen zu sich nehmen, müssen aber darauf achten, nicht zu viel auf einmal zu essen und Frittiertes und Gebratenes zu meiden. Die Geschmacksrichtungen, die Pitta reduzieren, sind bitter, süß und herb.
  • Kapha-Typen neigen zu langsamer Verdauung und haben einen niedrigen Umsatz, weshalb sie bei unzureichender Bewegung zu Übergewicht neigen. Warme Speisen und Getränke, wenig Fleisch, viel Gemüse mit bitterem und herbem Geschmack und Scharfes wirken diesen Tendenzen entgegen.
  • In der Kindheit ist aufgrund des Wachstums Kapha als Dosha dominierend. Da das Wachstum hier aber selbstverständlich erwünscht ist, soll Kapha nicht gebremst, sondern nur im Rahmen gehalten werden: Kinder brauchen Süßes (gemeint sind Kohlenhydrate, kein Zucker!), Salziges, Saures (gekochtes oder frisches Obst, je nach Alter und Zustand des Agni). Außerdem ist es wichtig, Kinder daran heranzuführen, ihre persönlichen geschmacklichen Vorlieben, ihr Hungergefühl und besonders das eigene Befinden wahrzunehmen und einzuschätzen.

Für eine umfassende und tiefgreifende Hilfestellung mit optimalen Empfehlungen ist eine ausführliche Untersuchung und allenfalls eine Tiefenanalyse zwingend notwendig. Lebensumstellungen aufgrund von zu voreilig erstellten Typenbestimmungen sind nicht im ayurvedischen Sinne.

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